Ein Kurztrip an die Waterkant ist immer toll. Nur drei Tage Zeit hatte ich für meine Spritztour an die ostfriesische Küste. Es war mein erster Ausflug an die Nordsee und ich war vom ersten Moment an fasziniert. Übernachtet hab ich in Bensersiel, wollte aber unbedingt eine der Ostfriesischen Inseln kennenlernen. Da Langeoog genau gegenüber liegt, bin ich für einen Tag dorthin gefahren.

Trotz der Gezeiten verkehrt die Fähre zur selbst ernannten „Insel fürs Leben“ nach einem festen Fahrplan, die Fahrrinne ist entsprechend ausgebaut. Übrigens steht das Ortseingangsschild von Langeoog auf dem Festland, am Hafen von Bensersiel. Dort befindet sich auch der Inselparkplatz, denn weder Urlauber noch Insulaner dürfen ihre Autos mit hinüber nehmen.

Die Anreise auf die Insel

Ich wollte so viel Zeit wie möglich auf der Insel verbringen, bin also gleich nach dem Frühstück zum Y8, wie das Fährhaus heißt, um mich in die Urlauberschlange einzureihen. Zum Glück werden größere Gepäckstücke nur im Frachtraum befördert, sonst wäre es noch enger für die Passagiere auf dem großen Fährschiff. Weil ich früh genug an Bord war, konnte ich noch einen Sitzplatz ergattern und die einstündige Überfahrt richtig genießen.
Angekommen! Wahrscheinlich war ich die einzige unerfahrene Besucherin an diesem Tag, denn alle anderen wussten wo sie hinwollen. Sie stürmen die kleine Inselbahn, die wenige Meter vom Anleger bereit steht um Neuankömmlinge in den Ort zu bringen. Doch ich hatte keine Lust auf dieses Gedränge und nur leichtes Handgepäck dabei, also schlenderte ich die Störtebekerstraße entlang. Mein Besuchstag fiel, ungeplant, mit dem Dörpfest zusammen, auf der Insel war also einiges los.

Strand und Dorf von Langeoog

Zunächst schenkte ich den Ständen keine Aufmerksamkeit, wollte erst einmal an den Strand. Also direkt durch die Hauptstraße, am Wasserturm vorbei über Westerpad bis ich freie Sicht auf das Meer, oder besser aufs Watt hatte. Denn das Wasser war grad ziemlich weit weg – Ebbe. Schuhe aus, an der Grenze zwischen Sand und Matsch, spazierte ich am Bade- und Burgenstrand entlang. Hundebesitzer, Surfer, Sportler und Nichtraucher haben alle ihren eigenen Strandabschnitt auf Langeoog.
Ein halbes Stündchen musste ich laufen, um ein ruhiges, weniger besuchtes Fleckchen Strand zu finden, setzte mich wollte endlich Inselfeeling spüren. Dort weit im Norden, abseits von Inselbahn, Urlaubermassen und Strandtrubel ahnte ich, was mit der Inselruhe gemeint sein könnte. Ich hielt die Nase in den Seewind, beobachtete wie die Flut das Meerwasser zurückbrachte und schmeckte die klischeehafte salzige Seeluft. Für den Rückweg hab ich dann die Höhenpromenade gewählt. Hab das alte Seemannshus besucht und das historische Inseldorf erkundet. Ein wenig Zeit bis zur letzten Fähre blieb noch, die ich in dem bunten Treiben des Dorffestes verbrachte. Bei einer kurzweiligen Versteigerung hab ich mich köstlich amüsiert. Dabei kamen öffentlich Gegenstände unter den Hammer, die abgereiste Urlauber in ihren Quartieren vergessen haben.

Inselwetter

Durchschnittlich 1500 Sonnenstunden soll Langeoog jährlich bekommen, ein paar davon konnte ich an diesem Tag genießen. Gerade als den Rückmarsch zum Inselhafen begann, zogen dunkle Wolken auf. Ich hatte noch nicht ganz das Inselwäldchen passiert, da öffneten sich die sprichwörtlichen Schleusen im Himmel. Warm und heftig stürzte Regenwasser auf mich ein, in minutenschnelle war alles außerhalb der Regenjacke pitschnass. Die Straße bald knöcheltief überflutet, Blitze und Donner blieben aber in sicherer Entfernung. Es goss genau so lange, bis ich am Hafen ankam, der heiße Kakao auf der Fähre nach Bensersiel war eine Wohltat.