Brocken im HarzFür mich sind freie Tage sind potenzielle Reisetage. So oft es geht, unternehme ich eine Spritztour, mal zu Fuß, mal mit dem Rad. Nahliegende Ziele, maximal ein bis zwei Autostunden entfernt gibt es zur Genüge. Der Harz mit dem Brocken liegt genau im Limit und da ich Berge liebe, besuche ich den sagenumwoben Blocksberg mindestens ein, lieber zweimal im Jahr. Sicher gibt es höher gelegen Gipfel, aber von meinem Halle aus, bis hin zur Nordsee liegt der Gipfelstein des Brockens am höchsten.

Adventwandern auf den Brocken

In unserem Wanderfreundekreis ist es Tradition am 4. Advent auf den Brocken zu wandern. Goethe hat es ja auch zum ersten Mal im Winter, an einem 10. Dezember, getan, als es noch keine so gut ausgebauten Wege gab. Meist stapfen wir durch das Eckerloch, das ist, glaub ich zumindest, kürzeste Route zum Gipfel. In Schierke, ganz weit hinten auf dem letzten Parkplatz der Straße, stellen wir unsere Autos ab, trinken einen ersten Schluck Glühwein aus den Thermoskannen, kosten die mitgebrachten Weihnachtsplätzchen, schnüren die Wanderschuhe und gehen los. Egal welches Wetter herrscht, (manchmal regnet es am Nationalparkhaus Schierke noch und auf halber Höhe versinken wir dann im Schnee) wir wagen den Aufstieg.

Bergwärts über den Eckerlochstieg

Der Brocken ist zu jeder Jahreszeit eine Spritztour wert. Wenn wir uns nicht mit dem Fahrrad die Straße hinauf quälen, sondern zu Fuß gehen, bevorzugen wir immer diesen abenteuerlichen, anspruchsvollen Eckerlochstieg. Dort begleitet uns, gurgelnd und plätschernd, der kühle Bach namens „Schwarze Schlupfwasser“, in dem ich auch mal Füße kühlen kann. Vor allem aber geht der Pfad quasi über Stock und Stein, wobei die Stöcke eher Wurzeln und die Steine meist Brockengranit von beachtlicher Größe sind. Über die unwegsamsten Stellen hilft auch mal ein Steg hinweg. Solche Wanderwege sind wie für mich gemacht.
Irgendwann endet dieser steinige Anstieg, wir müssen auf der Brockenstraße weitergehen, es ist ja nicht mehr weit. An eisigen Tagen verwandeln sich die kümmerlichen Bäume in dieser Höhe zu bizarren, märchenhaften Gebilden, die wir fantasievoll benennen. Manchmal stürmt es so toll, das wir kaum noch Luft bekommen und nur noch zum Brockenwirt wollen. Doch es gibt auch sanftere Winde auf dem Brocken und Tage an denen der Himmel so richtig blau und klar ist. Dann lohnt sich der Rundweg um das Plateau um so mehr und wir können beinahe bis nach Hause schauen.

Hefeklöße auf dem Brocken

Natürlich kehren wir im „Touristensaal“ des Brockenhauses ein, die Hefeklöße dort sind legendär und schmecken mit Pflaumensoße aber auch zu Gulasch. Im Winter bleibt nur der geräumige, laute Gastraum für die Rast, jedoch zu wärmeren Zeiten sitzt es sich herrlich im Freien. Wer zum ersten Mal auf dem Brocken ist, sollte unbedingt das Erlebnismuseum besuchen, mit den Brockenhexen fliegen und in die mythische Welt des Berges eintauchen. Zumal die Sicht aus der Kuppel unbeschreiblich ist.

Als der Dichter Carl Heinrich Friedrich Gude um 1855 den Brocken bestieg, schrieb er über das Plateau „Da blühet und duftet´s wie in einem Blumenkorbe“. Immer wenn ich vor dem Brockengarten stehe, fällt mir dieser Satz wieder ein. Für die berühmten und weniger bekannten Brockenwanderer jener Zeit war die Reise zum Brocken alles andere als eine Spritztour. Erst seit 1736 gab es ein festes Gebäude dort oben, das ein bei Wetterunbilden Schutz bot. Dieses Wolkenhäuschen steht heute unter Denkmalschutz, es ist das kleine Häuschen mit dem spitzen Dach und der Goethe-Gedenktafel.

Talwärts über die Alte Bobbahn

Verschieden Wege führen wieder hinunter, nach Ilsenburg, Bad Harzburg, oder Torfhaus. Da unsere Autos in Schierke stehen, müssen wir dort auch wieder hin. Zur Abwechslung spazieren wir noch ein gutes Stück die asphaltierte Brockenstraße entlang, immer bemüht den vielen Mountainbikern nicht in die Quere zu kommen. Die kurvenreiche Straße ist immer belebt, kreuzt mehrmals die Schienen der dampfbetriebenen Brockenbahn und gewährt manch schönen Ausblick. Talwärts gehen wir meist nicht durchs Loch, sondern nehmen die etwas gemütlichere Alte Bobbahn.
Für alle, die auf das Brockenplateau möchten, es aber nicht aus eigener Kraft schaffen und für Bahnromantiker, fährt die Brockenbahn regelmäßig hinauf. Ab dem Bahnhof Drei-Annen-Hohne braucht die Dampflok samt Anhänger etwa 50 Minuten, wir laufen ab Schierke meist so zwei Stunden. Die beschauliche Alternative wäre eine Kremserfahrt, der Planwagen startet auf dem Parkplatz „Tälchen“ in Schierke.
Jede Brockenwanderung oder Radtour auf den Berg war bisher anders. Wir entdecken und erleben immer wieder etwas Neues und freuen bereits während der Heimfahrt auf die nächste Tour.